Das Textilunternehmen S.Oliver führt mit der Methode „Rapid Transformation“ das Warenwirtschaftssystem SAP Retail ein. Die S.Oliver-Stores in Deutschland werden seit Februar von dem neuen ERP-System gesteuert. Das Gesamtsystem auch für den Großhandel soll Ende 2013 live sein.
Der vertikale Textilit S.Oliver erneuert seine IT-Landschaft. Für die Steuerung von Produkten und Produktion setzt die S.Oliver Bernd Freier GmbH & Co. KG auf die Software Dassault PLM. Die neuen Warenwirtschaftssysteme für Einzel- und Großhandel kommen von SAP. Für die Implementierung von SAP setzt der Textilit auf die schlanke Methode „Rapid Transformation“ von KPS Consulting. Dieser Weg zum neuen ERP-System sei „schnell und kostengünstig“, erläutert Henry Taubald, Chief Operating Officer der Fashion-Marke. Seit 2008 verantwortet Taubald als COO und Geschäftsführer von S.Oliver Informationssysteme, Logistik und Organisation. Der Manager war vorher an führender Stelle für Breuninger, Markant und Karstadt-Arcandor tätig.
Rund 50 Mio. Euro veranschlagt S.Oliver für die SAP-Einführung per Rapid Transformation, einschließlich Hardware und Berater-Honoraren. Wesentliche Elemente sind die Standardsoftware für Retail und Wholesale, Business Intelligence (BI) und Lagersteuerung.
Als erster Teil bereits weitgehend realisiert ist die Einführung von SAP Retail. Im März 2010 startete das Retail-Projekt, schon im Hochsommer 2010 ging die Steuerung von über 30 Filialen der relativ kleinen S.OliverMarke Comma live. Seit Februar dieses Jahres laufen auch die S.OliverStores in Deutschland auf Basis von SAP Retail. Heute werden alle 250 von S.Oliver selbst betriebenen Stores und Outlets in Europa von SAP Retail gelenkt. Im nächsten Schritt sollen auch die rund 300 Franchise-Stores und die von S.Oliver bei fremden Händlern bewirtschafteten Flächen auf SAP Retail aufgeschaltet werden.
Ein wichtiges Element der Implementierung per Rapid Transformation ist die frühzeitige Zusammenarbeit interner und externer Fachleute in einem so genannten „Campus“. S.Oliver stellte für diesen Campus unter anderem Mitarbeiter aus den Fachabteilungen für Bestandsführung, Waren-Platzierung, Kassensys- tem, Finanzbuchhaltung, Planung und Reporting frei. Dazu kamen SAP- Experten der eigenen IT-Abteilung und Consultants von KPS, insgesamt maximal 35 Leute, erzählt Taubald. Im Campus wurden zunächst die Erfolgsfaktoren aufgenommen. Direkt danach zeigten die SAP-Experten den Praktikern des Geschäfts, wie die benötigten Prozesse im SAP-Standard, ergänzt durch Customizing, aussehen. Dieser „Blick über die Schulter“ war nach den Worten Taubalds bereits einen Monat nach Projektstart möglich.
Ein zweites Grundelement von Rapid Transformation ist die Beibehaltung von SAP-Standards ohne Zusatzprogrammierung, wo immer möglich. Bei S.Oliver zeigte sich dabei laut Taubald: „SAP Retail deckt sehr viel von dem ab, was wir machen.“ Für rund 85 Prozent seiner Einzelhandels-Geschäftsprozesse könne der Textilit die Standardsoftware nutzen. Bei seinem vorherigen Warenwirtschaftssystem von Futura hatte S.Oliver die Erfahrung gemacht, dass viele individuelle Zusatzprogrammierungen Änderungen „extrem komplex“ machen. Die schnelle Anpassung an neue Kundenwünsche und die Unterstützung der Expansion in neue Länder sind aber jetzt wichtige Anforderungen an das Retail-System.
In Rottendorf beginnt noch im September der nächste Abschnitt des Großprojekts: Ebenfalls per Rapid Transformation schneidert sich der Textilit seine Großhandels-Software SAP for Wholesale. Außerdem startet diesen Monat die Arbeit am Lagersystem SAP EWMS (Extended Warehouse Management System) als Teil eines großen Logistikumbaus
Quelle: Lebensmittel Zeitung